q&more
Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

News

Darmflora beeinflusst das Altern

© D. R. Valenzano

Auch Fische altern: Ein fünf Wochen alter Türkiser Killifisch erstrahlt in herrlichen Farben (oben). Im Alter von zwölf Wochen sind diese jedoch schon stark verblasst (unten).

21.04.2017: Er verliert seine Pigmente, baut motorisch und mental ab, bekommt Krebs – der Türkise Killifisch kämpft mit ähnlichen Alterserscheinungen wie viele andere Lebewesen. Forscher vom Max-Planck-Institut für Altersforschung in Köln haben an den Fischen den Einfluss der Darmflora auf das Altern und die Lebensspanne untersucht. Ihren Ergebnissen zufolge bleiben alte Tiere länger aktiv und leben länger, wenn sie die Darmbakterien junger Artgenossen erhalten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die die Mikroorganismen im Darm das Altern eines Organismus beeinflussen.

Der Türkise Killifisch (Nothobranchius furzeri) ist erst wenige Monate alt, wenn der körperliche Verfall einsetzt. Der aus Afrika stammende Fisch durchläuft alle Entwicklungsschritte vom Schlüpfen bis zum Sterben im Eiltempo und stellt so den idealen Modellorganismus für die Altersforschung dar. In seiner Kurzlebigkeit ist er vergleichbar mit dem Fadenwurm C. elegans und der Fruchtfliege Drosophila, an denen Forscher ebenfalls das Altern studieren. Im Gegensatz zu diesen ist der Killifisch als Wirbeltier aber näher mit dem Menschen verwandt als Insekten und Würmer. So können Wissenschaftler mit ihm in kurzer Zeit Erkenntnisse gewinnen, für die sie mit anderen Wirbeltieren Jahre benötigen würden.

Die Darmflora des Türkisen Killifischs ähnelt in ihrer Artenvielfalt und Zusammensetzung der des Menschen. Die Mikroorganismen beeinflussen im Darm unter anderem die Aufnahme von Nahrung, den Stoffwechsel und die Immunabwehr. Mit dem Alter verändert sich ähnlich wie beim Menschen die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft: Während in der Jungend viele verschiedene Bakterienarten für einen gesunden Darm sorgen, nimmt diese Diversität im Alter nicht nur ab, unter den vorhandenen Bakterien befindet sich auch ein größerer Anteil an Krankheitserregern.

Wissenschaftler um Dario Riccardo Valenzano vom Kölner Max-Planck-Institut haben für ihre Studie die Darmbakterien von etwas über neun Wochen alten Killifischen mit einem Antibiotikum abgetötet und diese mittelalten Tiere dann in einem Becken den Hinterlassenschaften jüngerer, sechs Wochen alter Artgenossen ausgesetzt. Wenn die Tiere umherschwimmende Partikel „kosten“, nehmen sie zwangsläufig auch die Darmbakterien aus im Wasser schwimmenden Kotresten auf. Auf diese Weise werden die Bakterien der jungen Fische erfolgreich in den Darm der älteren “transplantiert” und siedeln sich dort an. Die älteren Fische mit der jungen Darmflora leben nicht nur rund 40 Prozent länger als Fische, die nur ihrer eigenen Darmflora oder der gleichaltriger Tiere ausgesetzt waren. Sie sind auch im für die Killifische greisen Alter von 16 Wochen noch so agil wie  junge Fische. Umgekehrt scheinen die Mikroben aus dem Darm älterer Fische keinen Einfluss auf die Lebenserwartung jüngerer Tiere zu haben.

Wie genau die Mikroben die Lebensdauer beeinflussen, ist noch unklar. „Möglicherweise kann ein alterndes Immunsystem die Mikroorganismen im Darm schlechter beschützen, so dass mit der Zeit Krankheitserreger überhand nehmen. Die Darmflora aus einem jungen Organismus könnte dies verhindern, indem sie das Immunsystem unterstützt und Entzündungen blockiert. Dies würde zu einer längeren Lebenserwartung und besserer Gesundheit führen“, sagt Valenzano.

Originalveröffentlichung:
Patrick Smith, David Willemsen, Miriam Popkes, Franziska Metge, Edson Gandiwa, Martin Reichard, and Dario Riccardo Valenzano; "Regulation of life span by the gut microbiota in the short-lived African Turquoise Killifisch"; bioRxiv Preprint; 27 March, 2017

Fakten, Hintergründe, Dossiers

  • Darmflora
  • Darm
  • Lebenserwartung
  • Lebensspanne
  • Darmbakterien
  • Nothobranchius furzeri

Mehr über MPI für Biologie des Alterns

  • News

    Protein-Atlas für längeres Leben

    Im Alter lassen viele Prozesse in den Zellen nach und das Risiko an altersbedingten Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Diabetes zu erkranken steigt dramatisch. Aber wirkt sich das Altern auf alle Organe und Gewebe gleichermaßen aus? Und sollten Medikamente, welche die Gesundheit im A ... mehr

Mehr über Max-Planck-Gesellschaft

  • News

    Direkte Abbildung von Riesenmolekülen

    Die optische Auflösung einzelner Konstituenten herkömmlicher Moleküle ist aufgrund der kleinen Bindungslänge im Sub-Nanometerbereich bisher nicht möglich. Physikern unter Leitung von Prof. Immanuel Bloch, Direktor der Abteilung Quantenvielteilchensysteme am MPQ,  ist es nun jedoch gelungen, ... mehr

    Weniger Diabetes trotz fettreicher Ernährung

    Zu viel Fett und Zucker macht dick und krank – das wissen schon kleine Kinder. Aber warum ist das eigentlich so und kann man da etwas gegen unternehmen? Die Forschungsgruppe von Prof. Jens Brüning am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln hat jetzt in einer Studie in der Fach ... mehr

    3D-Filme aus der Zellmembran

    Auf die Funktionsweise von Zellen bietet sich nun ein neuer Blick, und der könnte auch Erkenntnisse für die Suche nach neuen Medikamente liefern. Forscher des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts und des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin in Erlangen haben eine Methode ent ... mehr

q&more – die Networking-Plattform für exzellente Qualität in Labor und Prozess

q&more verfolgt den Anspruch, aktuelle Forschung und innovative Lösungen sichtbar zu machen und den Wissensaustausch zu unterstützen. Im Fokus des breiten Themenspektrums stehen höchste Qualitätsansprüche in einem hochinnovativen Branchenumfeld. Als moderne Wissensplattform bietet q&more den Akteuren im Markt einzigartige Networking-Möglichkeiten. International renommierte Autoren repräsentieren den aktuellen Wissenstand. Die Originalbeiträge werden attraktiv in einem anspruchsvollen Umfeld präsentiert und deutsch und englisch publiziert. Die Inhalte zeigen neue Konzepte und unkonventionelle Lösungsansätze auf.

> mehr zu q&more

q&more wird unterstützt von:

 

Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.