18.06.2018 - inveox GmbH

Automatisierung im Pathologie-Labor

Start-up inveox will Krebsdiagnosen zuverlässiger machen

Das Start-up inveox widmet sich einem enorm wichtigen, aber nahezu unsichtbaren Bereich der Medizin: der Pathologie. Das von Studierenden und Alumni der Technischen Universität München (TUM) gegründete Unternehmen will mit seinen Erfindungen die Untersuchung von Gewebeproben automatisieren und digitalisieren. Jetzt hat das Team eine voll funktionsfähige Vor-Serien-Version seines Systems vorgestellt.

„Beim Stichwort Pathologie denken Nicht-Mediziner erst einmal an Fernsehkrimis und Obduktionen“, sagt Dominik Sievert, einer der Gründer von inveox. „Dabei geht es in der Pathologie in der Regel darum, Leben zu retten.“ Krankheiten wie Krebs lassen sich nur optimal behandeln, wenn sie korrekt identifiziert wurden – meist anhand einer Gewebeprobe. Sievert und seine Mitgründerin Maria Driesel wollen mit inveox diese Untersuchungen nachhaltig verbessern.

Die Idee, die letztlich zur Unternehmensgründung führte, hat auch sehr persönliche Hintergründe: „Als ich ein Jugendlicher war, ist mein Großvater an Krebs erkrankt“, erzählt Dominik Sievert. „Etwas muss damals in der Diagnostik schiefgelaufen sein. Der Krankheitsfortschritt wurde falsch eingeschätzt, wodurch seine Behandlung nicht optimal verlief.”

Fehleranfällige Abläufe im Alltag

Berichte von Krebsdiagnosen, bei denen es zu Unregelmäßigkeiten kam, hörte Sievert, der zusätzlich zu seinem Masterstudium der Molekularen Biotechnologie an der TUM „Management and Technology“ studiert hat, später auch von anderen. Ein häufiger Grund für Fehler: In Pathologie-Laboren geschieht vieles von Hand. Die Gewebeprobe wird vorbereitet, entwässert, haltbar gemacht und schließlich in sogenannte Gewebeschnitte zerteilt und unter dem Mikroskop untersucht. Dabei muss sie mehrfach in verschiedene Gefäße umgepackt und neu beschriftet werden. „Der Probeneingang ist eine besonders kritische Phase. Hier kann es zu Verwechselungen, Verunreinigungen oder sogar zum Verlust von Gewebeproben kommen“, erläutert Maria Driesel, die einen TUM-Abschluss als Wirtschaftsingenieurin hat.

Drei Komponenten

Das System von inveox soll Verwechselungen und Verunreinigungen vermeiden. Das häufige Umpacken fällt beispielsweise weg, weil die verschiedenen Gefäße in einem einzigen Probenbehälter zusammengefasst werden. Dieser trägt eine eindeutige Identifikationsnummer. Eine weitere Komponente ist ein ebenfalls von inveox entwickelter Automat, der die Erfassung der Probe automatisiert. Das Gerät kann mehrere Dutzend Behälter gleichzeitig aufnehmen. Die Daten der Probe werden erfasst, das Konservierungsmittel entfernt und das Gewebe zur Dokumentation fotografiert. Danach wird der Probenbehälter ausgegeben und kann weiterverarbeitet werden.

Die gewonnenen Daten werden in einer Datenbank gesammelt. Über die verschlüsselte webbasierte Daten- und Kommunikationsplattform können sich die einsendenden Ärztinnen und Ärzte und das Personal in der Pathologie jederzeit über den aktuellen Stand informieren. „Durch das Zusammenspiel unserer drei Komponenten wird die Diagnose- und damit auch die Patientensicherheit wesentlich erhöht und die Arbeitseffizienz gesteigert“, sagt Maria Driesel.

Prototypenbau im MakerSpace

Sie und Dominik Sievert haben sich im Coaching-Programm „Manage & More” von UnternehmerTUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung, kennengelernt. Die ersten Prototypen für Behälter und Automationsplattform hat das kleine Team im MakerSpace, der Hightech-Werkstatt von UnternehmerTUM, zusammengebaut. Weitere Unterstützung gab es durch die TUM Gründungsberatung und ein EXIST-Stipendium. Durch dieses kam das Team auch mit seinem Mentor, Dr. Markus Eblenkamp vom Lehrstuhl für Medizintechnik, in Kontakt.

Mittlerweile hat die im Februar 2017 gegründete inveox GmbH zahlreiche Auszeichnungen gewonnen, ist Teilnehmer des Accelerators von Roche Diagnostics und wurde von „Für-Gründer.de“ zum Deutschen StartUp des Jahres 2017 gewählt. Das Büro im Inkubator der TUM ist längst zu klein. Mittlerweile hat inveox 20 Angestellte und mehrere studentische Hilfskräfte.

Erfolgreiche Präsentation

Kürzlich konnte inveox die erste Vor-Serie des Automatisierungssystems vor Investoren und Branchenexperten präsentieren. „Alle Labore, mit denen wir bislang gesprochen haben, sind begeistert. Viele zeigen konkretes Kaufinteresse“, freut sich Dominik Sievert. Die nächste Investitionsrunde für den Start der Serienproduktion und den Eintritt in europäische und US-Märkte ist eröffnet.

Fakten, Hintergründe, Dossiers

  • Pathologie
  • Start-ups
  • Digitalisierung
  • Krebsdiagnostik
  • Diagnostik

Mehr über TU München

  • News

    Enzym-System für die Wasserstoff-Wirtschaft

    Einen Traum der Energiewirtschaft könnte ein Enzym wahr werden lassen: Effizient kann es sowohl aus Strom Wasserstoff erzeugen, als auch Wasserstoff in Strom umwandeln. Zu seinem Schutz ist das Enzym in ein Polymer eingebettet. Ein internationales Forschungsteam mit maßgeblicher Beteiligung ... mehr

    Künstliche Intelligenz entschlüsselt genetische Codes

    Mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) ist es einem deutsch-amerikanischen Wissenschaftsteam gelungen, komplexe Anweisungen der Genregulation in der DNA zu entschlüsseln. Sie trainierten ihr neuronales Netzwerk mit hochauflösenden Protein-DNA-Bindungsdaten. Mit Hilfe von Modellinterpretatio ... mehr

    Synthetische „Mini“-Rezeptoren gegen Atherosklerose

    Die Atherosklerose, umgangssprachlich Arterienverkalkung genannt, ist die Hauptursache von Schlaganfall und Herzinfarkt. Münchner Forscher der Technischen Universität München (TUM) und des LMU Klinikums haben jetzt mit einem internationalen Team neuartige synthetische Peptide entwickelt, di ... mehr

  • q&more Artikel

    Biobasierte Rohstoffströme der Zukunft

    Der anthropogene Klimawandel und die steigende Weltbevölkerung im Verbund mit zunehmender Urbanisierung induzieren globale Herausforderungen an unsere Gesellschaft, die nur durch technologische Fortschritte gelöst werden können. mehr

    Ein Geschmacks- und Aromaschub im Mund

    Der Ernährungstrend hin zu gesünderen Snacks ist ungebremst. Snacks aus gefriergetrockneten Früchten erfüllen die Erwartungen der Verbraucher an moderne, hochwertige Lebensmittel. Allerdings erfordert die Gefriertrocknung ganzer Früchte lange Trocknungszeiten ... mehr

    Ernährung, Darmflora und Lipidstoffwechsel in der Leber

    Die Natur bringt eine enorme Vielfalt an Lipidmolekülen hervor, die über unterschiedliche Stoffwechselwege synthetisiert werden. Die Fettsäuren sind Bausteine verschiedener Lipide, einschließlich Zellmembranlipiden wie die Phospholipide und Triacylglyceride, die auch die Hauptkomponenten de ... mehr

  • Autoren

    Prof. Dr. Thomas Brück

    Thomas Brück, Jahrgang 1972, absolvierte sein Bachelorstudium (B.Sc.) 1996 in den Fächern Chemie, Biochemie und Management an der Keele University in Stoke on Trent, U.K. Er hält einen Masterabschluss (1997) in Molekularmedizin von derselben Universität und promovierte 2002 auf dem Gebiet d ... mehr

    Dr. Norbert Mehlmer

    Norbert Mehlmer, Jahrgang 1977, studierte Biologie an der Universität Salzburg und verfasste seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin. Er promovierte an den Max F. Perutz Laboratories (MFPL) der Universität Wien auf dem Gebiet Genetik/Mikrobiologie. Im Anschl ... mehr

    Dr. Mahmoud Masri

    Mahmoud Masri schloss sein Studium der Angewandten Chemie an der Universität Damaskus ab und erhielt 2010 seinen Master. Anschließend arbeitete er fünf Jahre als Qualitätssicherungsmanager. 2019 promovierte er im Fach Biotechnologie an der Technischen Universität München (TUM) mit einer Arb ... mehr

q&more – die Networking-Plattform für exzellente Qualität in Labor und Prozess

q&more verfolgt den Anspruch, aktuelle Forschung und innovative Lösungen sichtbar zu machen und den Wissensaustausch zu unterstützen. Im Fokus des breiten Themenspektrums stehen höchste Qualitätsansprüche in einem hochinnovativen Branchenumfeld. Als moderne Wissensplattform bietet q&more den Akteuren im Markt einzigartige Networking-Möglichkeiten. International renommierte Autoren repräsentieren den aktuellen Wissenstand. Die Originalbeiträge werden attraktiv in einem anspruchsvollen Umfeld präsentiert und deutsch und englisch publiziert. Die Inhalte zeigen neue Konzepte und unkonventionelle Lösungsansätze auf.

> mehr zu q&more

q&more wird unterstützt von: