q&more
Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

Dies ist das ganz besondere Anliegen und gleichzeitig der Anspruch von Frau Dr. Irmgard Werner, die als Dozentin an der ETH Zürich jährlich rund 65 Pharmaziestudenten im 5. Semester im Praktikum „pharmazeutische Analytik“ betreut. Mit Freude und Begeisterung für ihr Fach stellt sie sich immer wieder der Herausforderung, der nächsten Generation an Wissenschaftlern in Forschung und Industrie ein nachhaltiges Verständnis und topaktuelles Know­how zu vermitteln. Die Qualität der Lehre stellt sie dabei immer wieder, auch selbstkritisch, auf den Prüfstand. Für q&more beleuchtet die engagierte Expertin Situation und zentrale Bedeutung der Ausbildung.

Die Informationsmöglichkeiten, die wir heute haben, sind so groß wie noch nie. Entscheidend ist, damit vernünftig umzugehen und das Wichtige zu erkennen. Es gehört zum Lernprozess, Altbewährtes infrage zu stellen und abzuschätzen, ob Neues auch wirklich besser ist. Als Vorgesetzte können wir unser Wissen einbringen, müssen aber ­dem Lernenden auch genügend Spielraum für eigene Erfahrungen überlassen.

Ein solides Fundament

Es fehlt nicht an Definitionen von Lernzielen, Kreditpunktsystemen, Prüfungen und Kontrollen. Insbesondere sollte aber auch neben der reinen Wissensvermittlung, „dem Wissen auf Knopfdruck“, das Verstehen von Zusammenhängen gestärkt werden. Kritisches Denken, basierend auf soliden Grundlagen, ist gefordert.
Als erste Grundlagen sehen wir vor allem das manuelle Handwerk – beginnend beim Wägen, beim korrekten Auffüllen des Volumens in einem Messkolben oder der korrekten Berechnung von Verdünnungen, um nur die fundamentalsten Handlungen zu nennen. Es ist manchmal erstaunlich, wie viel Zeit man mit der Berechnung von Messunsicherheiten eines Resultates verbringt, dabei sind die Ursachen ganz einfach, z.B. die falsche Waage, die benutzt wurde, oder eine nicht korrekt ausgeführte Verdünnung.

Automatisierungen auf vielen Gebieten helfen, monotone Arbeiten zu reduzieren, nehmen uns aber nicht alle Probleme ab. Wir müssen erkennen können, wie der Ablauf einer Analyse aufgebaut ist, bevor wir kritisch ­
die Messresultate beurteilen oder an eine Optimierung denken können. Die manuelle Tätigkeit muss speziell
für die Studierenden erhalten bleiben, um später in ­der beruflichen Praxis die Qualitäten der Arbeiten, ­
die Grenzen einer Methode, die Problematik der Fehler­behebungen und den Zeitaufwand zu kennen.

Das Thema Sicherheit

In den letzten Jahren wurde realisiert, dass die junge Generation eine kritische Haltung zu Chemie und Pharmazie mitbringt. Neugier und Angst stehen eng nebeneinander und der Schutz der eigenen Gesundheit hat einen hohen Stellenwert erlangt.

Oft müssen wir aber erkennen, dass die theoretischen Kenntnisse aus Umweltschutz, Laborsicherheit und Chemie in der Praxis offensichtlich Schwierigkeiten bereiten. So z.B. werden bereits für das Abwägen von Natriumchlorid Staubmasken und die beste Qualität ­von Schutzhandschuhen getragen, obwohl man am ­
Abend vorher Nudeln im Salzwasser gekocht hat.

Kompetenz in der Chemie und Pharmazie kann aber nur erreicht werden, wenn die heute auch jederzeit online verfügbare Information über Gefahren richtig bewertet und umgesetzt wird.

Wissen für die Praxis

Laboratorien und deren Ausrüstungen sind teuer in Anschaffung und Unterhalt. Es ist eine ideale Situation, wenn die gleichen Einrichtungen für die produktive Seite und die Ausbildung genutzt werden können. Ältere Geräte können aber für das Verständnis von Messtechniken sehr nützlich sein, es muss aber auch in der Ausbildung an Geräten auf dem neusten Stand der Technik gearbeitet werden, um den Anschluss an neue Technologien zu finden.

An der Hochschule haben wir in den letzten Jahren Firmen schätzen gelernt, die mit Academia-Programmen auf uns zukamen. Es geht dabei auch darum, Informationen aus der Herstellerindustrie zu übertragen. Als besonders beliebt erwiesen sich Workshops von Technikern, wenn diese die Geräte demonstrierten und stolz das Innenleben erklärten. In Gruppen wurden praktische Probleme diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Jeder nahm neue Ideen mit an seinen Arbeitsplatz und entwickelte ein besseres Verständnis für die eigene Tätigkeit und den Umgang mit den Geräten.

Feedback

Kaum ein Kurs und kaum eine Veranstaltung sind heute ohne Feedbackformular denkbar. Anonym kann sich der Student oder der Lernende äußern, wie seine Betreuung, seine Fortschritte, sein Erfolg messbar sind. Man äußert sich stets kritisch. In einer Rubrik am Ende wird um Verbesserungsvorschläge gebeten. Inzwischen setzt aber auch eine gewisse Beurteilungsmüdigkeit ein, denn kaum hat ein Kurs begonnen, muss sich der Teilnehmer zur Qualität äußern. Es ist eine große Kunst, die Bedürfnisse zur Verbesserung klar und deutlich zu formulieren. Besonders wertvoll sind Rückmeldungen von Absolventen, die einige Zeit im Berufsleben stehen, und aus der Praxis Anregungen geben.

Fakten, Hintergründe, Dossiers

Mehr über ETH Zürich

  • News

    Flüssigkeiten, die Kräfte absorbieren

    Kolloide sind erstaunliche Materialien, die sich unter Krafteinwirkungen verfestigen. Vom SNF geförderte Forschende haben die Auswirkung extrem starker Kräfte – wie die von Geschossen oder Mikrometeoriten – auf diese Stoffe untersucht. Auf den ersten Blick ähneln Kolloide homogenen Flüssig ... mehr

    Wieviel wiegt das Leben?

    ETH-Forscher haben eine Zell-Waage entwickelt, mit der sich erstmals sowohl das Gewicht einzelner lebender Zellen schnell und präzise bestimmen lässt, als auch dessen Veränderung über die Zeit. Die Erfindung stösst auch ausserhalb der Biologie auf grosses Interesse. Ob Regenwurm, Sonnenblum ... mehr

    Bioabbaubarer Mikrosensor für das Internet of Things

    Eine neue Generation von Mikrosensoren soll das Internet der Dinge in den Bereich von Lebensmitteln erweitern. ETH-Forscher haben einen hauchdünnen Temperatursensor entwickelt, der für die Gesundheit unbedenklich und biologisch abbaubar ist. Mikrosensoren werden heute schon breit eingesetz ... mehr

  • q&more Artikel

    Analytik in Picoliter-Volumina

    Zeit, Kosten und personellen Aufwand senken – viele grundlegende sowie angewandte analytische und diagnostische Herausforderungen können mit Lab-on-a-Chip Systemen realisiert werden. Sie erlauben die Verringerung von Probenmengen, die Automatisierung und Parallelisierung von Arbeitsschritte ... mehr

  • Autoren

    Prof. Dr. Petra S. Dittrich

    Jg. 1974, ist Außerordentliche Professorin am Department Biosysteme der ETH Zürich. Sie studierte Chemie an der Universität Bielefeld und Universidad de Salamanca (Spanien). Nach der Promotion am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen war sie Postdoktorandin am ISAS In ... mehr

    Dr. Felix Kurth

    Jg. 1982, studierte Bioingenieurwesen an der Technischen Universität Dortmund und an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm. Für seine Promotion, die er 2015 von der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Zürich erlangte, entwickelte er Lab-on-a-Chip Systeme und Methoden zur Qua ... mehr

    Lucas Armbrecht

    Jg. 1989, studierte Mikrosystemtechnik an der Albert-Ludwigs Universität in Freiburg im Breisgau. Während seines Masterstudiums konzentrierte er sich auf die Bereiche Sensorik und Lab-on-a-Chip. Seit dem Juni 2015 forscht er in der Arbeitsgruppe für Bioanalytik im Bereich Einzelzellanalytik ... mehr

Whitepaper

Produkt

Meist gelesen

  1. Exakte Konzentrationen bei geringen Kosten
  2. Neue Anforderungen
  3. Brücke über das „Tal des Todes“
  4. Die richtige Dosis
  5. Herausforderung
  6. Bildhaft deutlich
  7. Interessante Gesundheitsförderer
  8. Richtigkeit und Präzision
  9. Gleichgewicht
  10. Silber-Lipid-Zwerge

Themen A-Z

Alle Themen

q&more – die Networking-Platform für exzellente Qualität in Labor und Prozess

q&more verfolgt den Anspruch, aktuelle Forschung und innovative Lösungen sichtbar zu machen und den Wissensaustausch zu unterstützen. Im Fokus des breiten Themenspektrums stehen höchste Qualitätsansprüche in einem hochinnovativen Branchenumfeld. Als moderne Wissensplattform bietet q&more den Akteuren im Markt einzigartige Networking-Möglichkeiten. International renommierte Autoren repräsentieren den aktuellen Wissenstand. Die Originalbeiträge werden attraktiv in einem anspruchsvollen Umfeld präsentiert und deutsch und englisch publiziert. Die Inhalte zeigen neue Konzepte und unkonventionelle Lösungsansätze auf.

> mehr zu q&more

q&more wird unterstützt von:



Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.