q&more
Meine Merkliste
my.chemie.de  
Login  

News

Synthese von Opium-Alkaloiden mithilfe von elektrischem Strom

Selektive elektrochemische Reaktion löst eine altbekannte synthetische Herausforderung

© Alexander Lipp

In dieser einfachen, selbstgebauten Apparatur erforschten die Mainzer Chemiker den elektrochemischen Schlüsselschritt

02.07.2018: Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ist es gelungen, eine seit fast 50 Jahren bestehende Herausforderung der synthetischen Elektrochemie zu meistern. Die Chemiker hatten sich im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Universität Münster einer schwierigen Aufgabe gestellt – der elektrochemischen Synthese von Thebain.

Thebain ist im Milchsaft des Arznei-Mohns enthalten und ist nach dem alten Namen von Luxor – Theben – benannt. Dieses Opium-Alkaloid ist der biosynthetische Vorläufer von Codein sowie Morphin und dient als Ausgangsmaterial für die industrielle Herstellung relevanter Pharmazeutika wie zum Beispiel Oxycodon oder Naloxon. Die Biosynthese von Thebain, Codein und Morphin beruht auf einer oxidativen Kupplung als zentralem Schlüsselschritt. Seit vielen Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler diese in der Biosynthese enzymkatalysiert verlaufende Reaktion im Labor zu imitieren. Die oxidative Kupplung stellt allerdings eine erhebliche Herausforderung dar, weil sie zu vier unterschiedlichen Produkten führen kann, von denen nur eines weiter zu Thebain umsetzbar ist. Daher ist zur effizienten Nachahmung des natürlich ablaufenden Prozesses eine selektive Reaktion notwendig.

Seit Langem versuchen Chemiker eine biomimetische Synthese von Thebain mithilfe klassischer Oxidationsmittel zu realisieren. Es wurden hierbei allerdings erhebliche Mengen dieser oft giftigen Reagenzien benötigt und zumeist ungewünschte Kupplungsprodukte erhalten. Die Elektrochemie ist eine Technik, bei welcher der Transfer von Elektronen zu oder von Molekülen auf einer elektrisch geladenen Metalloberfläche erfolgt. Mit dieser Methode können Oxidationen reagenzfrei und daher umweltfreundlich durchgeführt werden, da lediglich elektrischer Strom für die Umsetzungen notwendig ist und idealerweise kein Abfall anfällt. Leider führte auch die Elektrochemie bisher nicht zu geeigneten Kupplungsprodukten, die in Thebain umgewandelt werden könnten. So blieb die Realisierung einer elektrochemischen Synthese von Thebain bis heute eine große Herausforderung.

Mithilfe taktisch kluger Modifikationen an den Ausgangsmaterialien für die oxidative Kupplung ist es den Wissenschaftlern um Prof. Dr. Till Opatz vom Institut für Organische Chemie der JGU nun gelungen, die erste elektrochemische Synthese von Thebain fertigzustellen. Sie liefern damit eine seit fast 50 Jahren vergeblich gesuchte Lösung, welche zugleich den Weg für die elektrochemische Synthese weiterer Opium-Alkaloide ebnet. Daran beteiligt waren außerdem die Kooperationspartner Prof. Dr. Siegfried R. Waldvogel, ebenfalls vom Institut für Organische Chemie der JGU, und Prof. Dr. Hans J. Schäfer von der Universität Münster. Die Forschungsarbeit fand im Rahmen des ELYSION-Verbunds (Advanced Lab of Electrochemistry and Electrosynthesis, finanziert durch die Carl-Zeiss-Stiftung) statt.

Originalveröffentlichung:
A. Lipp et al.; "A Regio‐ and Diastereoselective Anodic Aryl–Aryl Coupling in the Biomimetic Total Synthesis of (−)‐Thebaine"; Angewandte Chemie International Edition; 22 May 2018

Fakten, Hintergründe, Dossiers

  • Thebain
  • Opium
  • Oxidationen
  • elektrochemische Reaktion
  • Alkaloide

Mehr über Uni Mainz

q&more – die Networking-Plattform für exzellente Qualität in Labor und Prozess

q&more verfolgt den Anspruch, aktuelle Forschung und innovative Lösungen sichtbar zu machen und den Wissensaustausch zu unterstützen. Im Fokus des breiten Themenspektrums stehen höchste Qualitätsansprüche in einem hochinnovativen Branchenumfeld. Als moderne Wissensplattform bietet q&more den Akteuren im Markt einzigartige Networking-Möglichkeiten. International renommierte Autoren repräsentieren den aktuellen Wissenstand. Die Originalbeiträge werden attraktiv in einem anspruchsvollen Umfeld präsentiert und deutsch und englisch publiziert. Die Inhalte zeigen neue Konzepte und unkonventionelle Lösungsansätze auf.

> mehr zu q&more

q&more wird unterstützt von:



Ihr Bowser ist nicht aktuell. Microsoft Internet Explorer 6.0 unterstützt einige Funktionen auf Chemie.DE nicht.